Mittleweile verfliegt die Zeit auch hier in Moldawien wie im Flug. Am Anfang ging alles nur sehr langsam vorbei durch die ganzen Steine, die uns in den Weg gelegt wurden. Doch mittlerweile spiele ich nicht mehr mit dem Gedanken, meine Koffer zu packen und zurück nach Bukarest zu fahren. In der Suppenküche, in der ich mittlerweile bin, steppt der Bär. Ein Mädchen kam in der vergangenen Woche zu uns das aussah, wie Ronja Räubertochter mit ihrem zerzausten Haaren, ihren verdreckten Füssen und ihren zerissenen Kleidern. Nachdem wir sie aber in die Dusche gesteckt hatten, kam sie nicht nur wohlriechend wieder heraus ,sondern hatte zum einen ein Leuchten in den Augen, zum anderen machten wir aber auch die Entdeckung von ganz vielen kleinen "niedlichen" Tierchen in ihrem Haar. Ich habe dann angefangen, mich ihrem Kopf anzunehmen. Seit dessen habe auch ich das ständige Bedürfnis, mich an meinm Kopf zu kratzen aber ich hoffe, durch die vorbeugenden Essigbehandlung werde ich den Kampf gegen die Viecher gewinnen. Am nächsten Tag brachte sie einen anderen Jungen mit. Sieben Jahre, total schüchtern. Zu dritt machten wir dann eine Dusche. Auch er war danach wie ausgewechselt. Ein Kind voller Lebensfreude und Schalk im Nacken. Es ist wunderschön wie man solchen Kindern allein durch ein bisschen Aufmerksamkeit ein Leuchten in die Augen bringen kann. Wie man die Kinder dazu werden lassen kann was sie sind. Nämlich Kinder. Auch wenn es nur für ein paar Augenblicke sind, das ist ein Erfolg der einem immer im Gedächnis bleiben wird. Ronja Räubertochter und ihr Freund.
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Samstag, 11. Juni 2011
Montag, 6. Juni 2011
Man lebt gefährlich...
Zwischen Joggen, Duschen, Kapelle und Frühstück ein kurzer, schon lange überfälliger Bericht aus Moldawien. Die Wochen fliegen dahin. Mittlerweile sind wir schon sechs Wochen hier. In sechzehn Tagen werde ich nach Bukarest fahren und von dort aus mit den anderen zusammen in dir Türkei. Auch für dieses Ereignis gibt es eigentlich noch ganz viel zu tun aber die Zeit rast. Gestern haben wir uns seit langem bzw. eigentlich das erste Wochenende gegönnt mit allem drum und dran. Am Samstag waren wir abends Essen mit anschliessendem Diskobesuch an der Partymeile direkt am Nistru, am Sonntag dann das erste Mal ein Besuch in Chisinau. Zwar waren wir davor schon dort aber meist nur um Leute vom Flughafen abzuholen oder hinzubringen. Abends dann gab es noch grosses Heimkino. Alles in allem ein echt entspannendes Wochenende.
Auch wenn das Land Moldawien alles in allem irgendwie ungefälicher wirkt als Rumänien gab es doch schon zwei Situationen, die für uns Mädels ein bisschen brenzlig war. Männer. Zum Glück waren bei beiden Malen die anderen nicht weit weg aber ich weiss jetzt, dass ich nicht mehr allein durch den Wald laufen werde.
Meine Arbeitsstelle habe ich nun auch gewechselt. Jetzt bin ich hier in Pirita in der Suppenküche und in der Stadt der Kinder. Hier in Pirita sieht die Situation im Dorf schon wieder ganz anders aus als in Dorotcaia. Hier gibt es z.B. einen Mann, der im Stall sein Bett hat. Er selber kann sich nicht bewegen, seinen Mitbewohner sind die Hühner und die Enten. Sein Sohn arbeitet neben ihm wie in einer Werkstatt... Ein anderer Sohn hat seinem bettlägerigen Vater schon die Totenkleider gekauft. "der hat eh nur noch ein paar Tage." deswegen ist auch unser Vorschlag, den Verschlag in dem der Mann abgestell wurde, zu renovieren, den ekeligen Gestank nach Ausscheidungen versuchen rauszubekommen, auf taube Ohren gestossen. Trotzdem haben diese Menschen eine Lebensfreude in sich die bewunderswert ist. Viele von uns können sich davon eine Scheibe abschneiden. Spass am Leben haben obwohl man nicht weiss, was man am abend essen soll, wann man das nächste Mal von seinen Kindern geschlagen wird oder wann das nächste Mal ein netter Mensch vorbeikommt, der einem Wasser aus dem Dorfbrunnen holt.
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